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Gedanken und Zitate ( in wechselnder Folge )


Die Achtsamkeit in den Alltag bringen:

Achtsamkeit und Bewusstheit

Diese beiden Begriffe treten immer wieder auf im Kontext von spirituellen Lehren, Meditation. Heißt das, dass diese beiden Handlungen nur für Menschen Bedeutung haben, die diese Wege gehen?
Sind Achtsamkeit und Bewusstheit Hobby, Liebhaberei oder Luxus?
Für diejenigen, die sagen, dass „sie sich nicht für Spiritualität und Meditation interessieren“, sollte Achtsamkeit und Bewusstheit nicht Bestandteil Ihres Lebens sein? Ist das wahr?

Wie sieht es im Alltag aus?
Wir alle wünschen Kontakt mit anderen Menschen, möchten wahrgenommen und respektiert, ja, auch geliebt werden. Andere wünschen sich das auch von uns.
Wenn wir jemanden lieben, sind wir achtsam: Achten darauf, was er gerne hat, mit welchen Dingen wir ihm eine Freude machen können. Wir beobachten ihn genau; versuchen, ihn so umfassend wie möglich in seinem ganzen Wesen zu sehen; spüren, wo er verletzlich ist und versuchen es zu vermeiden, ihn an dieser Stelle grob „anzufassen“. Wir sind bereit, ihm Hilfe zu geben, ihn zu unterstützen, wenn dies nötig ist.
Wenn jemand mit uns auf diese Weise umgeht, tut uns dies gut.

Wenn wir alle miteinander in dieser Weise umgehen – prinzipiell, unabhängig davon, wie sehr wir uns lieben können oder nicht – dann entsteht Verbundenheit, Kommunikation.  Konflikte können durchgesprochen und somit geklärt werden.
Ist das nicht ein Beitrag zu einer Welt, in der mehr Wärme und Geborgenheit herrscht für alle Menschen, ob spirituell interessiert oder nicht?

Die Entwicklung unserer Zivilisation hat es mit sich gebracht, dass Achtsamkeit und der bewusste Umgang miteinander sehr weit verloren gegangen sind.
Andere Dinge sind immens wichtig geworden: Beruf, Karriere, Geld, Spaß ohne Einschränkung, Konsum, alles immer größer, besser, schneller, lauter, bunter, „geiler“, außergewöhnlicher.
Wo bleibt die Herzenswärme, die Kraft gibt, Freude, Zufriedenheit? Innere Ruhe, inneren Frieden?
Wo bleibt die ehrliche, authentische Auseinandersetzung mit dem „Du“, das uns in allen Menschen begegnet, wie unterschiedlich sie auch sein mögen?

Herzenswärme kann nur gedeihen im Rahmen von Achtsamkeit und ganz bewusster Zuwendung zum „Du“. Nicht nur im Nebenbei „eben registriert“ oder als „Mittel zum Zweck“. In jeder einzelnen Begegnung , sei sie noch so kurz, können wir zu dem „Du“ im Anderen schauen. Zum Beispiel: ein geduldiges Antworten, wenn der andere nicht gleich versteht oder mit sich selbst im Moment nicht im Reinen ist; ein von Offenheit und Hilfsbereitschaft geprägtes Kundengespräch; eine Frage, wie es geht; ein paar Worte im Fahrstuhl, ein Lächeln im Vorübergehen.

Wichtig zu erkennen ist, dass wir die Achtsamkeit uns selbst gegenüber genauso üben müssen, wie sie unseren Mitmenschen gegenüber nötig ist.
Denn nur dadurch können wir uns in innerer Freiheit und Wahrhaftigkeit dem „Du“ zuwenden.

Was allerdings oft zu Schwierigkeiten führt, ist, dass entweder das eine Priorität im Leben eines Menschen hat oder das andere. Entweder ist er zu sehr auf sich selbst bezogen und vergisst die Achtsamkeit seinen Mitmenschen gegenüber. Ein anderer ist zu sehr bei seinen Mitmenschen und vergisst sich selbst dabei. Beides geht auf die Dauer nicht gut.
Es gilt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beidem zu finden. Keines davon soll überbetont werden und keines von beidem darf vernachlässigt werden.
Wir befinden uns alle auf demselben „Schiff“ Erde. Wir haben uns alle letztlich in gleicher Weise immer und immer wieder mit denselben Bedingungen auseinanderzusetzen.

Oft erkennen wir die geschilderten Zusammenhänge erst wieder in extremen
oder umfassenden Notsituationen. Dann rücken wir naturgemäß wieder zusammen. Die Eigenschaften, die uns unterscheiden, sind auf einmal nicht mehr interessant. Wichtiger wird das Miteinander. Wir erkennen plötzlich, dass wir im Grunde genommen alle dieselben Bedürfnisse haben: Schutz und Unversehrheit, Geborgenheit, Akzeptanz (Liebe), Leben.
Müssen immer erst Notsituationen kommen?
Jeder einzelne kann jeden Tag und in jeder neuen Stunde und Minute sich für Achtsamkeit entscheiden und sich in ihr üben.
Sich üben darin, mit offenem Herzen und aufrichtigem Interesse dem anderen Menschen zu begegnen, auch wenn dieser ganz anders ist, und gleichgültig auch, wie kurz oder lang die Begegnung mit ihm dauert.
In großem Maßstab angewandt, würden wir dann unmittelbar erfahren, dass diese Welt wieder wärmer und wohnlicher wird; viel negativer Stress, viele Konflikte und Sorgen würden wegfallen …..
Und: Jeder kann für sich damit anfangen, ungeachtet der äußeren Umstände
und Gesetzmäßigkeiten. Jeder besitzt diese Entscheidungsfreiheit …..

(R. Scheftschik)


Gemeinschaft

Wir sind hier, weil es letztlich kein Entrinnen vor uns selbst gibt. Solange der Mensch
sich nicht selbst in den Augen und Herzen seiner Mitmenschen begegnet, ist er auf
der Flucht.
Solange er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben, gibt
es für ihn keine Geborgenheit. Solange er sich fürchtet, durchschaut zu werden, kann
er weder sich selbst noch andere erkennen – er wird allein sein.
Wo können wir einen solchen Spiegel finden, wenn nicht in unserem Nächsten?
Hier in der Gemeinschaft kann der Mensch erst richtig klar über sich selbst werden und
sich nicht mehr als den Riesen seiner Träume oder den Zwerg seiner Ängste sehen,
sondern als Mensch, der – Teil eines Ganzen – zu ihrem Wohlsein Beitrag leistet.
In solchen Böden können wir Wurzeln schlagen und wachsen; nicht mehr allein- wie
im Tod – sondern lebendig als Mensch unter Menschen.

(Richard Beauvais, 1965)


Gut zu sich selber sein:

Achtsamkeit sich selbst gegenüber zu üben ist ebenso wichtig, wie Achtsamkeit bezüglich unserer Mitmenschen und unserer Umwelt. Beides bedingt sich gegenseitig, ist voneinander abhängig.
Oftmals ist es aber so, dass wir überhaupt nicht bemerken, wie wenig Achtung wir für uns selbst haben (bedingt durch unsere Konditionierungen in der Kindheit). So bekommt das Leben
eine Schieflage. Dann kann es auch mit der Achtsamkeit der Mitwelt gegenüber nicht gelingen.

Umso wichtiger ist es zu lernen, sich selber mit neuen Augen zu betrachten.
-
> Ich selber liebe andere Menschen und es gibt auch immer andere Menschen, die mich mögen.
Wieso sollte ich dann nicht auch mit mir selbst freundlich umgehen?
Jeder hat Stärken und jeder hat Schattenseiten. Unsere Lebensverantwortung ist die,
die Stärken in die Welt einzubringen und an den Schwächen –
mit Geduld! -zu arbeiten.
Je mehr ich mit meinen Stärken und Schwächen einverstanden bin und mich deswegen nicht verurteile, umso mehr Achtung habe ich mir selber gegenüber.
Ich kann dann - mit Geduld und Güte mir selbst gegenüber - an meinen schwierigen Stellen arbeiten und bin nicht auf die Bestätigung und das Urteil von anderen angewiesen.
Wenn ich selber in mir ruhe, umso kraftvoller bin ich. Durch weniger Erwartung an meine Mitmenschen und mit Liebe und Respekt mir selbst gegenüber lassen sich Konflikte vorbeugen und Aufgaben leichter lösen.
Ich habe dann auch mehr Mut, mich selbst zum Ausdruck zu bringen. Je mehr ich das tue,
desto mehr Antwort kommt mir aus der Welt zurück. Nicht jeder wird einverstanden sein mit dem,
was ich vertrete. Dennoch werden mir ebenso viel Interesse und zusätzliche Wertschätzung entgegenkommen.
Das Leben wird facettenreicher und fließender, bekommt mehr Raum und Tiefe.

(R. Scheftschik)

Was bedeutet „sich selbst anzunehmen“?
Sich selbst anzunehmen bedeutet unter anderem:

  • meinen Körper, meine Seele, meinen Geist und ihre Bedürfnisse so weit wie möglich kennen zu lernen

  • das für mich zu tun, was ich auch für meine Kinder tun würde

  • mich selbst mit gütigen Augen zu betrachten

  • Geduld mit mir zu haben

  • hinter mir zu stehen, wie hinter einem Freund und nicht gegen mich zu sein; für mich einzustehen, für mich Stellung zu beziehen; mich trauen auch ‚Nein‘ zu sagen

  • mich nicht hängen zu lassen

  • Liebe zu wagen

  • Konflikte zu riskieren, wenn es darauf ankommt

  • auf dem Boden zu bleiben

  • Wunden in mir anzuschauen und zu heilen versuchen

  • das Nichtgelungene, das schuldhaft Vertane, das Nichtgemachte irgendwann einmal gut sein zu lassen

  • ehrlich zu mir zu sein

  • weniger vor mir selbst davonzulaufen

  • realistisch nicht zu viel und nicht zu wenig von mir zu erwarten.

(„Woher kommt die Kraft zur Veränderung?“ Dr.Stephan Peeck, Ellert und Richter Verlag)


Würden wir nur einen kleinen Teil von alledem mehr als bisher leben, so hätte das enorme positive Folgen für unser Lebensgefühl:

Wir würden uns  körperlich, seelisch und geistig freier und leichter fühlen  und hätten mehr Energie zur Verfügung.
Wir wären weniger ängstlich und dafür wacher, konzentrierter, arbeits-, leistungs-, genuss- und auch liebes- und leidensfähiger.
Wir würden doppelt soviel bewegen und erreichen, viel mehr lachen. Wir wären gesünder.

Viel Streit mit anderen Menschen würde wegfallen, weil wir ihn nicht mehr nötig hätten.
Wir könnten unseren Egoismus und unsere Selbstdarstellung reduzieren,  denn wir hätten beides schlicht nicht mehr nötig.
Wir wären wesentlich friedensfähiger.
So mancher Kleinkrieg gegen andere Menschen und die Umwelt würde dann nicht mehr stattfinden.
Dazu würden wir das Leben zu sehr lieben.
Wir wären einfach gern im Leben.

Jeder, der sich mehr als bisher annehmen können möchte, täte gut daran, so viel wie möglich davon zu träumen, "wie es wohl wäre, wenn....."

(Dr. Uwe Böschmeyer, Logotherapeut)


Seele“

Die Seele als Psyche verstanden ist jene Instanz in uns, die auf imaginative, emotionale und physische Weise Erfahrungen macht und sich erfahren lässt, statt rational erfasst und begriffen zu werden.
Seele hält sich an den Bereich der Erfahrungen und reflektiert im Rahmen von Erfahrungen.
Sie bewegt sich indirekt, indem sie ihren Gegenstand umkreist; für sie ist rückwärtsgehen genauso wichtig wie vorwärtsgehen, sie bevorzugt Labyrinthe und Winkel, sie verleiht dem Leben einen metaphorischen Sinn, indem sie Wörter wie
eng, nahe, langsam und tief verwendet.
Unsere Seele führt uns in den Wirrwarr der Phänomene und taucht uns in den Strom der Eindrücke. Sie ist die 'geduldige Seite' unserer Selbst. Unsere Seele ist verletzlich und leidet;
sie ist passiv und erinnert sich an alles. “Sie ist Wasser auf das Feuer des Geistes….
(James Hillman in "Schritte in ein ungewisses Land" von Michael Kearney)

Die Seele ist Imagination, sie ist die imaginative Möglichkeit unserer Natur, das Erfahren können mittels reflektierender Spekulation, Raum, Bild und Phantasie - jene Erkenntnisweise, die alle Wirklichkeit primär als symbolisch und metaphorisch erfasst.“

Heraklit: Die Dimension der Seele ist die Tiefe ( nicht die Breite oder Höhe), und die Richtung der Seelenreise weist nach unten.
Dieses Zitat aus Heraklit verknüpft 'Seele' und 'Tiefe' mit 'Sinn', denn mit der Seele geht das Gefühl einher, es mit etwas Bedeutsamem zu tun zu haben, das heißt, sie vermittelt eine subjektive Sinn-Erfahrung, was etwas völlig anderes ist, als wenn sich der rationale Geist damit beschäftigt, einer Erfahrung durch Nachdenken einen bestimmten Sinn abzugewinnen.
(Schritte in ein ungewisses Land - Michael Kearney, Herder-Verlag)


Imagination
Die Sprache und mit ihr die bewussten Gedanken haben sich mit Blick auf die Entwicklungsgeschichte der Menschheit recht spät entwickelt.
So lebt der Mensch schon immer – wenn auch unbewusst – aus inneren Bildern heraus.
Die Sprache der Seele ist die der Bilder, nicht nur in der Nacht beim Träumen, sondern auch bei Tag. Bei Tag wechseln wir hin und her zwischen inneren Bildern (unter anderem erinnerte und vorgestellte Szenen) und den bildlichen Eindrücken, die wir im Außen wahrnehmen.
Die Bilder liegen und bilden sich in der Tiefe  in unserem Unterbewusstsein in sehr vielen  „Schichten“. Immer wieder gibt es noch eine Schicht darunter.
Sigmund Freud verglich die Psyche mit einem Eisberg. Bei einem Eisberg liegt der größte Teil unter der Wasseroberfläche. Es ist nur ein kleiner Teil des Berges, der über das Wasser ragt. Der Verstand, Intellekt liegt über Wasser, alles andere darunter im Unterbewusstsein bzw. Unbewussten.
Die Sprache benutzen wir, um uns gegenseitig die inneren Bilder mitzuteilen.
Bei intensiven Erlebnissen aber „fehlen uns oft die Worte“, um die entsprechenden Bilder beschreiben zu können.
Das liegt daran, dass Bilder mit Gefühlen verbunden und Gefühle wiederum sehr starke Energien und Kräfte sind, die ein umfassenderes Erleben einer Situation zulassen (unter anderem auch intuitives Erfassen).
Wenn wir zu sehr auf der Ebene des Verstandes unterwegs sind, blenden wir diese Energien ein ganzes Stück weit aus und begrenzen dadurch die Möglichkeiten, eine Situation möglichst umfassend, tiefgreifend und sinnvoll verstehen und dementsprechend gestalten zu können. Deswegen kommt es auch immer wieder vor, dass der reine, verstandesmäßige Lösungsversuch eines Problems den Samen für eine neue Problematik beinhaltet oder das Lösungsergebnis begrenzt ist.
Wenn wir komplizierte Zusammenhänge besser verständlich machen wollen, setzen wir sie in Schaubilder und Diagramme um oder wir sprechen in bildhaften Vergleichen; schildern sie „anschaulich“.

Schon allein die Beobachtung/Achtsamkeit für innere Prozesse zu üben, führt dazu, den Schatz der inneren Bilder nutzen zu können; z. B. zu beobachten, welche Gefühle wann in Bezug auf ein Ereignis auftauchen.
Dann gibt es auch sogenannte imaginative Methoden, mit deren Hilfe die tieferen Ebenen der Seele bewusst angesteuert werden können, um die Bilder, die uns wichtige Informationen zu einer Situation oder zu uns selber geben, aufsteigen zu lassen.
Es gibt zum Beispiel das Katathyme Bilderleben oder die Wertorientierte Imagination.
Schamanisches Reisen gehört auch in diesen Bereich und ist kein „exotischer Hokuspokus“, sondern – verantwortungsvoll angewandt und geführt – auch ein Weg, tiefliegendes Wissen „um etwas“ hervorzuholen, das auf Verstandesebene nicht ohne Weiteres offensichtlich ist.
Bei der Wertorientierten Imagination bzw. Zielorientierten Wertimagination werden bewusst Ziele, die mit einer speziellen Fragestellung oder Problematik verbunden sind, angestrebt bzw. angewandert, um Antworten, Lösungen und Wege zu finden.

Ebenso die konsequente Arbeit mit Träumen findet auf dieser Ebene statt und kann zu einer klareren Lebensführung beitragen.

(R. Scheftschik)